Vorstellung neues Konzept zur Rettung von verunfallten Tauchern im Überlinger See

Nach Angaben der Wasserschutzpolizei werden im Überlinger See geschätzte 40.000 Tauchgänge im Jahr durchgeführt. Immer wieder kommt es dabei auch zu schwerwiegenden Unfällen.

Unter Federführung des DRK Rettungsdienstes in Überlingen wurde in den vergangenen Monaten an einem Konzept gearbeitet, wie verunfallten Tauchern vor allem im Bereich Überlingen noch effektiver geholfen werden kann. Der Feinschliff erfolgte in einer Arbeitsgruppe, in der neben dem Roten Kreuz die DLRG aus dem Bodenseekreis und dem Landkreis Konstanz beteiligt war. Eng eingebunden war von Anfang an auch Chefarzt Dr. Bernhard Maier vom Helios-Spital in Überlingen, der dort unter anderem die am Krankenhaus stationierte Taucherdruckkammer betreut.

Ein beliebter Tauchplatz in Überlingen befindet sich im Bereich des Seezeichens 24 (Überlingen, Bahnhofstraße). An dieser Örtlichkeit ist kein barrierefreier Zugang zum Wasser möglich, es gibt lediglich eine steile Taucherleiter. Die Tatsache, dass über diese Leiter die Rettung eines Verunfallten nicht möglich ist gab den Anstoß zur Erarbeitung des jetzt vorgestellten Konzepts. Dieses sieht vor hier verunglückte Taucher zunächst auf ein Rettungsboot zu verbringen, welches dann den Transport zu einer geeigneten Übergabestelle an die Rettungskräfte an Land sicherstellen kann.

Etwa einhundert Einsatzkräfte von DRK, DLRG, Deutscher Rettungsflugwacht, Polizei und der Notärzteschaft folgten am vergangenen Samstag der Einladung zur Vorstellung des neuen Konzepts in Theorie und Praxis.

Der theoretische Teil der Veranstaltung fand im Schulungsraum des Helios-Spitals statt.

Nach einleitenden Grußworten vom Rettungsdienstleiter des Roten Kreuzes im Bodenseekreis, Herrn Schneider und von Karl-Heinz Rimmele, dem Vorsitzenden der DLRG im Bodenseekreis folgte ein Fachvortrag von Herrn Dr. Maier. Dieser zeigte zunächst einige grundsätzliche physikalische und technische Grundsätze auf, die im Bereich des Tauchsports von Relevanz sind. Außerdem wurden von ihm die verschiedenen Verletzungsmuster und deren notfallmedizinische Behandlung erörtert, die bei einem Tauchunfall auftreten können. Besonders stellte er auch noch einmal die Bedeutung der Druckkammer bei der Behandlung von Dekompressionsunfällen hervor, die dem Badischen Tauchsportverband gehört und vom Krankenhaus in Überlingen betreut wird. Dies insbesondere vor dem Hintergrund, dass sich die nächst gelegenen Kammern in Ulm und in Stuttgart befinden.

Im Anschluss daran stellte Ingo Stärk vom DRK schließlich das neu erarbeitete Rettungskonzept vor. Kernpunkt ist zunächst einmal eine überarbeitete Alarm- und Ausrückeordnung. Diese sieht vor, dass bei einem gemeldeten Tauchunfall im Bereich des Seezeichen 24, ohne Verzögerung DLRG-Einheiten aus dem Bodenseekreis und dem Landkreis Konstanz alarmiert werden. Zudem erfolgt bei einem Tauchunfall immer auch eine Alarmierung eines speziell ausgebildeten Taucherarztes und die Druckkammer wird in Einsatzbereitschaft versetzt. Im Weiteren beschreibt das Konzept, wie die Erstversorgung in einem schwer zugänglichen Einsatzbereich durch die Rettungsdienstmitarbeiter erfolgen soll.

Um den Einsatzkräften das Konzept anschaulich vermitteln zu können, wurde im Bereich der Überlinger Bahnhofstraße ein Praxisparcours mit vier Stationen errichtet. Hier konnten Alle das eben gehörte praktisch anwenden. An der ersten Station wurde von der DLRG Bodman das auf dem Rettungsboot „Christopherus II“ mitgeführte Rescue-Sled vorgestellt. Es handelt sich hierbei grob gesagt um eine aufblasbare stabile Trage, mit der, neben der eigentlichen primären Funktion als Eisrettungsgerät, ein Patient schonend aus dem Wasser gerettet werden kann.

Die DLRG aus dem Bodenseekreis stellte an einer weiteren Station das Equipment eines Sporttauchers und deren Eigenschaften vor. Es wurden auch Tricks und Kniffe vermittelt, wie unter Einsatzbedingungen mit den vom Taucher mitgeführten Gerätschaften umzugehen ist.

Nicht verschont wurden die Teilnehmer auch vom Nassen Element. Bei der dritten Station wurden an der bereits erwähnten Taucherleiter die Versorgung eines verunfallten Tauchers geprobt. Mitunter bis zur Hüfte im Wasser stehend mussten die Rettungsteams einen bewusstlosen von seinem Tauchequipment befreien und erste lebenserhaltende Maßnahmen einleiten. Dies erfolgte streng nach der in den Fachvorträgen vorgestellten Vorgehensweise.

An der letzten Station schließlich standen zwei DLRG-Rettungsboote zur Verfügung. Ein Boot der neuen schnelle  Bauart Faster aus Sipplingen und das sturmtaugliche Großboot aus Bodman. Die Helfer standen vor der Aufgabe den in der vorigen Station schon vorversorgten Patienten auf einem Rettungsbrett respektive dem Rescue-Sled zu sichern und an die Boote zu übergeben. Hier stand im Vordergrund die Unterschiede in den jeweiligen Techniken zu erlernen.

Die ganze Veranstaltung wurde logistisch von der Bereitschaft des DRK Überlingen hervorragend unterstützt. Für die Dauer der Veranstaltung stand eine Kinderbetreuung zur Verfügung und die Teilnehmer wurden mit Getränken und einem Imbiss versorgt.

Den Organisatoren unter Federführung von Ingo Stärk wurde seitens der Teilnehmer großer Dank für die Vorbereitung und Durchführung dieser fachlich und inhaltlich hochwertigen Fortbildungsveranstaltung ausgesprochen. Das Organisationsteam wird jedoch nicht die Hände in den Schoß legen, denn in Ergänzung des Konzepts gibt es bereits Überlegungen, die einzelnen Tauchplätze durch das Aufstellen von Notruftafeln noch sicherer zu machen. Es gibt also noch viel zu tun...

Quelle: LdÖ - Stefan Bücheler

Impressionen

Bildautor: P. Kraus und DRK Überlingen